Aus den Mentoraten

So unterschiedlich wie die Lebens- und Berufserfahrungen unserer Mentor*innen sind auch die Hintergründe unserer Azubis. In den Mentoraten treffen verschiedene Persönlichkeiten, Kulturen und Altersgruppen aufeinander. Die Inhalte des Mentoring variieren je nach Unterstützungsbedarf des Azubis sowie den individuellen Wünschen der Mentorin oder des Mentors. Die Palette an Themen in den Mentoraten ist groß (Weitergabe von Fachwissen, sprachliche Unterstützung, Hilfe beim Zeitmanagement, Vermittlung bei Problemen im Betrieb, Erfahrungsaustausch usw.) und spiegelt die Vielfalt des Mentoring wider.

Mentorin Anett und Mentee Julie in Zeiten der Coronakrise

Mentorin Anett & Mentee Julie

April 2020

Die besondere Krisensituation, in der wir uns aktuell befinden, erfordert besondere Maßnahmen. Unsere Azubis brauchen nun mehr denn je die Unterstützung ihrer Mentor*innen: Berufsschulen sind geschlossen, Hausaufgaben müssen ohne die Erklärungen der Lehrer*innen erledigt werden und ausgefallene Schultage müssen mit Arbeit im Betrieb ausgeglichen werden. Puh, da kommt ganz schön viel zusammen. Unsere Mentorate stehen in dieser Zeit nicht still, viele haben digitale Tools für sich entdeckt, um miteinander in Kontakt zu stehen. So auch Anett und Julie, von denen wir im Folgenden kurz erzählen.

Anett und Julie starteten vor zweieinhalb Jahren gemeinsam in ihr Mentorat. In dieser Zeit haben die beiden eine enge Beziehung zueinander aufgebaut. Anett, Julies Mentorin, kommt vom Fach: Als Medizinpädagogin und gelernte Altenpflegerin kann sie Julie nicht nur fachlich, sondern auch mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen aus dem Feld optimal unterstützen.

Gerade für Auszubildende der Pflege ist die Situation in den Pflegeeinrichtungen und in den Kiniken nicht einfach. Im Umgang mit der Ansteckungsgefahr müssen Abläufe neu erlernt werden. Darüber hinaus ist der Krankheitsstand unter den Kolleg*innen hoch und muss abgefedert werden. Nicht nur physisch, sondern auch psychisch kann das zur Belastung werden. In der jetzigen Ausnahmesituation stehen Julie und ihre Mentorin Anett über Sype sowie Telefonate miteinander in Kontakt. Auch wenn phyische Treffen derzeit ausgeschlossen sind, haben die beiden eine Möglichkeit gefunden, sich regelmäßig auszutauschen. Anett ist voller Bewunderung für die Fortschritte, die Julie in dieser ganzen Zeit des Mentoring gemacht hat!

 

Mentorin Serpil und Mentee Niazi

Mentorin Serpil und Mentee Niazi

Februar 2019

Über ein Jahr nach dem ersten Kennenlernen im November 2017 ist es an der Zeit eine erste Bilanz im Mentorat von Serpil und Niazi zu ziehen. Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen der Mentorin und ihrem Mentee?

Niazi ist Anfang 20, kommt aus Afghanistan und hat sich nach einer Projektvorstellung der Ausbildungsbrücke an seiner Berufsschule beim Koordinationsteam der Ausbildungsbrücke gemeldet. Hier suchte er Unterstützung, weil er Schwierigkeiten in seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger hatte. Er war noch nicht lange in Deutschland und hatte die Ausbildung erst kürzlich begonnen. In dieser Phase des Ankommens und der Orientierung machte ihm nun die Fachsprache in der Berufsschule zu schaffen. Er brauchte jemanden, der ihm sprachlich unter die Arme greifen konnte. Mit Serpil als gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin mit Abschluss in Sozialmanagement war die Wahl der Mentorin schnell getroffen.  Im November 2017 lernten sich die beiden bei einem sogenannten „Matching-Treffen“ kennen und beschlossen gemeinsam ins Mentorat zu starten.

Die Beweggründe für Serpil sich ehrenamtlich für Azubis zu engagieren gründen in ihrer eigenen Geschichte. Auch sie hätte sich während ihrer Ausbildung jemanden gewünscht, der ihr als Ansprechpartner zur Verfügung steht, sein Wissen weitergibt und sich Zeit für sie nimmt. Als sie vom Projekt Ausbildungsbrücke erfuhr, war sie überzeugt: „Das ist ein super Ding, hier kann ich doch etwas zurückgeben!“

Während ihrer gemeinsamen Zeit im Mentorat haben die beiden schon viel erreicht. „Am Anfang war es viel, aber jetzt kann ich auch viel allein lernen. Es waren so viele Informationen für mich, aber ich hatte wenig Zeit die Informationen zu verarbeiten“, erzählt Niazi. In der Zwischenzeit, sagt seine Mentorin Serpil, habe Niazi einen großen „Entwicklungssprung“ gemacht. Er habe sich sprachlich verbessert, könne das Gelernte nun besser aufnehmen und Zusammenhänge erkennen und verstehen. Geholfen hat, dass Serpil ihrem Mentee auch per WhatsApp zur Verfügung steht. Serpil ist sozusagen Niazis Backup, wenn er etwa die Antwort auf eine fachliche Frage schnell braucht. Von Niazis Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, trotz der hohen Ansprüche in der Ausbildung, zeigt sich Serpil beeindruckt. Schließlich werde „viel von Pflegenden verlangt“ und „manchmal ist es so detailliert und komplex wie ein Medizinstudium“.  Serpil merkt, dass sie als Mentorin bestimmte Ängste nehmen und Zuversicht vermitteln kann. Und die kommt auch bei Niazi an: „Ich freue mich, dass sie mir hilft. Sie motiviert mich immer und sagt, dass ich diese Ausbildung schaffen werde.“

Niazi ist fest entschlossen seine Ausbildung erfolgreich zu beenden. Serpil wird ihm bei dieser großen Aufgabe zur Seite stehen. Wir wünschen den beiden weiterhin alles Gute auf ihrem gemeinsamen Weg!

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